Partnerschaft der Kirchenkreise Reinickendorf (Berlin) und Tshwane (Südafrika) beendet

Die über 40 Jahre währende Partnerschaft der evangelischen Kirchenkreise Reinickendorf (Berlin) und Tshwane (Südafrika) ist aufgrund von veränderten Rahmenbedingungen beendet worden. Den Beschluss hat die Reinickendorfer Kreissynode - das Kirchenparlament - im Frühling 2016 gefällt. Nach einer Delegationsreise war klar, dass sich die Umstände und auch das Interesse an einer Zusammenarbeit gewandelt hatten. Ein Ökumene-Ausschuss wird über zeitgemäße Formen der ökumenischen Partnerschaft nachdenken und der Synode Vorschläge für ein zukünftiges ökumenisches und partnerschaftliches Engagement des Kirchenkreises unterbreiten.


Tshwane ist der alte afrikanische – und inzwischen auch der neue – Name der Stadt Pretoria. Der ehemalige Partnerkirchenkreis Tshwane liegt nördlich und östlich der Stadt. Er besteht aus einem weitläufigen, meist ländlichen Gebiet und erstreckt sich von Modimolle (früher Naboomspruit) im Norden bis Witbank im Süden – eine Entfernung von über 200 Kilometern. Ein Großteil davon liegt auf dem kargen, unfruchtbaren Boden der ehemaligen Homelands Bophuthatswana und Kwa Ndebele. Heute sieht die Landkarte von Südafrika anders aus. Die Homelands sind aufgelöst. Neue Provinzen sind entstanden. Tshwane liegt heute am Knotenpunkt von drei Provinzen – Mmpumalanga, Nord-Westen und Gauteng, mit einigen Gemeinden in Limpopo.

Im Herbst 1971 wurden die ersten Vertreterinnen des Kirchenkreises Tshwane auf Bitten des Berliner Missionswerkes eingeladen, den Kirchenkreis Reinickendorf zu besuchen und die Arbeit kennen zu lernen. Die Partnerschaft wurde beschlossen.

Der ehemalige Partnerkirchenkreis Tshwane hat elf Großgemeinden mit jeweils zwei bis zwölf oft weit verstreuten Kleingemeinden, die sich in Kirchen, Schulen, Wellblechhütten und Garagen treffen. Die Gottesdienste werden in der Regel von Laien gehalten; die wenigen Pfarrer können nur gelegentlich kommen, um das Abendmahl zu feiern. Es sind die Laien, die das Leben der Gemeinde gestalten.

Eine Kirchensteuer gibt es nicht. Mitgliedsbeiträge, Spenden und verschiedene „Fund-raising“-Projekte - wie etwa der Verkauf von Handarbeiten und der „Mokolokotwane“ (einer Art Spendenwettbewerb) - sollen das nötige Geld einbringen.

Trotz aller Schwierigkeiten hat es eine ländliche Gemeinde beispielsweise geschafft, innerhalb von zehn Jahren vier neue Kirchen zu bauen.

Über die Jahre haben die Partner an vielen Projekten gearbeitet. Der anfänglichen Hilfe für einen Kindergarten folgten viele Bauprojekte wie etwa die Häuser zweier Superintendenturen und der Kindergarten in der Stadt Temba – inzwischen ein Heim für behinderte Kinder - die Pfarrhäuser in Bloedfontein und „Christ the King“ sowie Kirchen in Witbank und Vaalbank. Auch der Versand von Nähmaschinen, die für die Frauenliga eine Hilfe zur Selbsthilfe waren, und Geldspenden für drei Wasserpumpen für entlegene Kleingemeinden gehörten zu den Projekten.

Ziele in der partnerschaftlichen Gemeinschaft waren:

  • Gegenseitige Stärkung im Glauben
    durch regelmäßige Fürbitten, jährliche Partnerschaftsgottesdienste, Einbeziehen in Gemeindefeste und Briefwechsel. Das Wecken von gegenseitigem Verständnis für die Fähigkeiten, Erfahrungen, Eigenheiten und Anliegen der Partner.
     
  • Voneinander lernen
    bei den gegenseitigen Besuchen und dem Austausch von Arbeitsergebnissen und der Nutzung der Informationen des Berliner Missionswerkes.
    Gegenseitige Besuche im Abstand von ca. 2 bis 3 Jahren.
     
  • Materielle Unterstützung
    bei Projekten unter Berücksichtigung der dafür geltenden Vereinbarungen zwischen der Partnerkirche, der Landeskirche (Evangelische Kirche Berlin, Brandenburg, schlesische Oberlausitzt) und dem Missionswerk.

Bei einer Konsultation im Oktober 2010 formulierten Vertreter des Berliner Missionswerkes, der Nord-Diözese und der deutschen und südafrikanischen Partnerschaften eine Vereinbarung, die unterschrieben wurde, unter anderem von der Superintendentin des Kirchenkreises Reinickendorf, Beate Hornschuh-Böhm (2. Foto, 1.v.l.) und vom Superintendenten des Partnerkirchenkreises Tshwane, Dean Mnisi. Die Vereinbarung in die Praxis umzusetzen, bestimmte die Arbeit der kommenden Jahre.
(Text: Pfarrerin i.R. Ann Schreiter und P. Uwe Zimmermann)

Kontakte:

ra.schreiter(at)web.de;
uwe.zimmermann(at)mw.ekbo.de

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www.berliner-missionswerk.de